Die Inzidenz des plötzlichen Kindstods (SIDS) ist in Deutschland in den vergangenen zehn Jahren von 1 auf 0,5 Promille gesunken. Dazu beigetragen hat eine Reihe von Verhaltensempfehlungen an frisch gebackene Eltern: keine Bauchlage der Säuglinge, im elterlichen Schlafzimmer, aber nicht im elterlichen Bett schlafen lassen, Schlafsack statt Decke und mehr.

Pathologisch-anatomische Untersuchungen von an SIDS gestorbenen Kindern hatten bei Kopfrotation eine Kompression der Vertebralarterien am kraniozervikalen Übergang ergeben. Dieser Befund hatte dazu geführt, dass an der Klinik für Kinder und Jugendliche der Sozialstiftung Bamberg ein Screening der Basilararterie und der Vertebralarterien eingeführt wurde. Die Blutströmung in diesen Gefäßen kann bei offener Fontanelle in vivo gemessen werden. „Bei gesunden Kindern ist die Blutströmung in der A. basilaris unabhängig von Körperlage und Kopfrotation“, schreibt Professor Karl-Heinz Deeg von der Klinik. Ist eine Vertebralarterie hypoplastisch oder fehlt sie – was bei neun Prozent der Kinder so ist –, kann die Blutströmung in der A. basilaris unter Kopfrotation stark abfallen.

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Ein solcher Abfall um 50 Prozent und mehr wurde bei einem Prozent von 22000 Kindern gefunden, die binnen zehn Jahren per Sono gescreent wurden. Bei 0,3 Prozent fand sich unter Kopfrotation ein pathologischer Befund, der zu einer Minderperfusion des Hirnstammes führen kann. Die Eltern dieser Kinder wurden speziell beraten, sie erhielten auf Wunsch einen Herzmonitor und wurden in der Reanimation geschult.

Die SIDS-Inzidenz bei den 22000 geschallten Kindern lag bei 0,05 Promille – bei einem Kontrollkollektiv aus 3700 Kindern bei 1,1 von Tausend. In Deutschland liegt die SIDS-Rate bei 0,5 pro Tausend. Durch ein generelles dopplersonografisches Screening der Hirnbasisarterien in der Neonatalperiode könne die SIDS-Inzidenz in Deutschland weiter gesenkt werden, so die Autoren. 

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Quelle: Ärzte Zeitung basierend auf: Geburtsh Frauenheilk 2011; 71: 800