Die Wissenschaftler hatten für ihre Longitudinalstudie 1011 Frauen gewinnen können, deren erste Geburt fünf bis zehn Jahre zurück lag. Je nach Art ihrer in puncto Beckenboden schlimmsten Entbindung wurden sie in vier Expositionsgruppen eingeteilt: (1) Kaiserschnitt nach Beginn des Geburtsvorgangs, aber noch vor kompletter Eröffnung der Zervix; (2) Kaiserschnitt nach kompletter Zervixdilatation; (3) spontane vaginale Geburt; (4) unterstützte vaginale Geburt, etwa mit Zange oder Glocke. Die Vergleichsgruppe (0) bestand aus nicht exponierten Frauen, die ausschließlich elektiv per Kaiserschnitt entbunden hatten.

Erhöhte Prolapsgefahr

Eine Stressinkontinenz trat nach vaginaler Geburt signifikant häufiger auf als nach Kaiserschnitt (Odds Ratio [OR] 2,9), ebenso ein Prolaps von Beckenorganen (OR 5,6). Musste die vaginale Geburt instrumentell unterstützt werden, waren die Risiken für den Beckenboden besonders ausgeprägt. In dieser Gruppe fanden sich mehr Frauen mit Stressinkontinenz (OR 4,5), überaktiver Blase (0R 4,9), Analinkontinenz (OR 2,2), Prolapssymptomen (OR 6,8) und einem Prolapsbefund bei der körperlichen Untersuchung (OR 7,5). In die Berechnungen einbezogen waren unter anderem das Alter der Mutter zum Zeitpunkt ihrer ersten Entbindung, die Zahl der Geburten, der Raucherstatus und der Body-Mass-Index.

Anzeige

Kaiserschnittgeburten wirkten unabhängig davon protektiv, ob die natürliche Geburt bereits eingesetzt hatte oder gar die Zervix eröffnet war. Signifikante Unterschiede zur elektiven Sectio ergaben sich nicht. Einschränkend anzumerken ist hier aber, dass die generelle Prävalenz der einzelnen Beckenbodenerkrankungen im Studienkollektiv niedrig war (jeweils < 10%). Unterschiede geringeren Ausmaßes (Odds < 2) könnten daher im statistischen Rauschen untergegangen sein.