Tengis Kasch, Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, Berlin, Neukölln

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03.08.2011 Orale Kontrazeption

Risiken von Blutgerinnsel(Venöse Thrombose/Thromboembolie)


Seit die Verhütungspille vor 50 Jahren auf den Markt kam, ist bekannt, dass kombinierte Kontrazeptiva
(Pillen, Pflaster, Vaginalring und einige Injektionspräparate) das Risiko einer Thrombose
(Blutgerinnsel) erhöhen können. Kombinationspräparate enthalten die Hormone Östrogen und
Gestagen.
Eine Thrombose ist eine vaskuläre (die Blutgefäße betreffende) Erkrankung, bei der sich in einer Vene
oder Arterie ein Blutgerinnsel (Thrombus) bildet und diese verstopft. In seltenen Fällen kann ein
Thrombus von seinem Entstehungsort fortgeschwemmt werden (er heißt dann Embolus) und dem
Blutstrom folgen, bis er in einem kleineren Blutgefäß steckenbleibt. Eine solche „Thromboembolie”
kann zu verstopften Blutgefäßen in der Lunge führen: einer potentiell lebensbedrohlichen Situation.
Es gibt einen Unterschied zwischen Blutgerinnseln in Venen und solchen in Arterien. Arterielle (in
einer Arterie befindliche) Thrombosen sind weniger häufig als venöse (in einer Vene befindliche)
Thrombosen und können beispielsweise zu einem Schlaganfall oder Herzinfarkt führen.
JEDES KOMBINIERTE HORMONELLE VERHÜTUNGSMITTEL ERHÖHT DAS THROMBOSERISIKO
Viele der heute erhältlichen hormonellen Kontrazeptiva enthalten künstlich hergestelltes Östrogen und
Gestagen. Das erhöhte Thromboserisiko wird dem Östrogen-Anteil zugeschrieben. Da Östrogen eine
Rolle bei der Blutgerinnung spielt, führt ein höherer Östrogen-Anteil in einem Verhütungsmittel - ob
Pille, Pflaster oder Vaginalring zu einem höheren Thromboserisiko. Um dieses Risiko zu verringern,
enthalten modernere Kombinationspillen eine geringere Östrogendosis (15 bis 30 Mikrogramm). Das
Risiko einer Thrombose ist nicht bei allen Frauen gleich hoch. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, um zu
erfahren, ob Sie ein erhöhtes Risiko haben.
VENÖSE THROMBOSE/THROMBOEMBOLIE
Venöse Thrombosen/Thromboembolien (Blutgerinnsel in einer Vene oder in der Lunge) sind eine
seltene Nebenwirkung bei allen hormonellen Kombinationsmethoden zur Empfängnisverhütung
(einschließlich der Kombinationspille, des Vaginalrings oder des Pflasters).
• Von 10.000 Frauen im gebärfähigen Alter, die keine Kombinationspille einnehmen, erleiden pro
Jahr zwischen 3 und 4,5 eine venöse Thrombose/Thromboembolie [1]
• Von 10.000 Frauen, die Kombinationspillen einnehmen, erleiden pro Jahr 8 bis 10 eine venöse
Thrombose/Thromboembolie [1]
• Während einer Schwangerschaft oder in den Wochen nach der Geburt ist das Risiko allerdings
noch höher [2]. Von 10.000 schwangeren Frauen oder Wöchnerinnen erleiden pro Jahr zwischen
20 und 30 eine venöse Thrombose/Thromboembolie
Ein Service von und 22
Bei Frauen, die die Kombinationspille einnehmen und bei denen eine venöse Thrombose/Thromboembolie
auftrat, lagen darüber hinaus häufig einer oder mehrere der folgenden Risikofaktoren vor:
• Genetische (ererbte) Thromboseneigung
• Übergewicht
• Längere Ruhigstellung (z.B. aufgrund von Operationen, Unfällen oder Langstreckenflügen)
• Zunehmendes Lebensalter
Das Risiko einer venösen Thrombose/Thromboembolie ist bei allen Kombinationspillen im ersten Jahr
der Einnahme am höchsten.
Bei einer venösen Thrombose/Thromboembolie können unter anderem die folgenden Symptome
auftreten:
• Einseitige Schwellung des Beines oder entlang einer Beinvene
• Schmerzen oder Spannungen im Bein. Diese können unter Umständen nur beim Stehen oder
Gehen auftreten; das betroffene Bein fühlt sich wärmer an, die Haut des Beines ist gerötet oder
verfärbt
• Plötzliches Auftreten von Atemnot und beschleunigter Atmung ohne erkennbaren Grund
• Plötzlich auftretender Husten (möglicherweise auch Bluthusten)
• Scharfer Brustschmerz, der sich beim tiefen Atmen möglicherweise verstärkt
• Angstgefühl
• Starke Benommenheit oder Schwindel
• Stark beschleunigter oder unregelmäßiger Herzschlag
Einige dieser Symptome (z.B. „Kurzatmigkeit”, „Husten”) sind unspezifisch und können
fälschlicherweise als Folge eher alltäglicher oder weniger ernster Ereignisse (z.B. Atemwegsinfektionen)
interpretiert werden.
Wenn Sie eines oder mehrere dieser Symptome bei sich feststellen, verständigen Sie sofort
Ihren Arzt oder einen Notarzt - besonders dann, wenn die Beschwerden unvermittelt auftreten
und es keine andere naheliegende Erklärung für sie gibt.
ARTERIELLE THROMBOSE/THROMBOEMBOLIE
Ebenso wie in einer Vene, kann sich eine Thrombose auch in einer Arterie bilden. Die Venen
transportieren Blut aus dem Körper zurück zum Herzen; in den Arterien wird Blut vom Herzen zum
übrigen Körper sowie zum Gehirn befördert. Eine arterielle (in einer Arterie befindliche) Thrombose
tritt häufig in Verbindung mit einer anderen Erkrankung, der Arteriosklerose, auf.
Ein Service von und 33
Arteriosklerose ist auch als eine „Verkalkung der Arterien” bekannt. Es ist eine chronische Erkrankung,
bei der sich die Arterienwände verdicken und verhärten. Als Folge davon werden die Blutgefäße
zunehmend enger, was den Blutstrom verlangsamt und die Bildung von Blutgerinnseln begünstigt, die
dann wiederum die Arterie verstopfen können.
Arterielle Thrombosen können auch durch Verletzungen der Blutgefäße, Entzündungen oder
Infektionskrankheiten entstehen. Die arterielle Thrombose ist eine sehr seltene Nebenwirkung von
Östrogen-Gestagen-haltigen Verhütungsmitteln (Pille, Vaginalring oder Hormonpflaster) und kann
beispielsweise zu Herzinfarkten oder Schlaganfällen führen.
Im Allgemeinen sind solche Ereignisse bei jungen Frauen sehr selten und betreffen pro Jahr von
10.000 bis 100.000 Frauen nur eine oder zwei. Das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist während
der Einnahme von Kombinationspillen ungefähr doppelt so hoch wie bei Frauen, die keine hormonellen
Kontrazeptiva verwenden [3,4]. Das Schlaganfallsrisiko ist bei Frauen, die rauchen oder an
erhöhtem Blutdruck leiden, deutlich erhöht. Es ist jedoch nicht bekannt, ob das Risiko eines Schlaganfalls
bei Nichtraucherinnen oder bei Frauen mit normalem Blutdruck erhöht ist [5]. Die meisten
Studien zu niedrigdosierten Kombinationspillen ergaben kein erhöhtes Schlaganfallsrisiko.
Zu den persönlichen Risikofaktoren für eine arterielle Thrombose gehören z.B.
• Zunehmendes Lebensalter
• Rauchen
• Hoher Cholesterinspiegel
• Diabetes
• Bluthochdruck
• Migräne mit Aura
• Übergewicht
• Thrombosen in der Familiengeschichte
• Herzklappenerkrankungen
• Vorhofflimmern (unregelmäßige und beschleunigte Herzfrequenz)
In Verbindung mit einer arteriellen Thrombose können unter anderem folgende Symptome auftreten:
Bei einem Schlaganfall:
• Plötzliche Taubheit oder Schwäche im Gesicht, in einem Arm oder Bein; meist in nur einer
Körperhälfte
• Plötzliche Verwirrtheit, Sprach- oder Verständnisstörungen
• Plötzliche Sehstörungen auf einem oder auf beiden Augen
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• Plötzlicher Schwindel, Gleichgewichts- oder Koordinationsverlust oder Schwierigkeiten beim
Gehen
• Plötzliche heftige oder ungewöhnlich langanhaltende Kopfschmerzen ohne erkennbaren Grund
• Bewusstseinsverlust oder Ohnmacht mit oder ohne Krampfanfall
Andere möglicherweise auftretende Anzeichen für einen Gefäßverschluss sind: plötzlicher Schmerz,
Anschwellen und Verfärbung einer Extremität, akutes Abdomen.
Bei einem Herzinfarkt:
• Schmerzen, Unwohlsein, Druck-, Schwere-, Enge- oder Völlegefühl in der Brust, im Arm oder
hinter dem Brustbein
• In den Rücken, Kiefer, Hals, Arm oder Magen ausstrahlende Beschwerden
• Völlegefühl, Beschwerden im Verdauungsapparat oder Erstickungsgefühl
• Schweißausbruch, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel
• Extreme Schwäche, Ängstlichkeit oder Kurzatmigkeit
• Stark beschleunigter oder unregelmäßiger Herzschlag
Sollten Sie eines oder mehrere dieser Symptome bei sich feststellen, verständigen Sie sofort Ihren
Arzt oder einen Notarzt - besonders dann, wenn die Beschwerden stark sind und es keine andere
naheliegende Erklärung für sie gibt.
Lesen Sie in jedem Fall die Warnhinweise zu Risiken und Nebenwirkungen auf jeder Packungsbeilage
von Kombinationspillen. Besprechen Sie alle offenen Fragen immer mit Ihrem Arzt.
[1] Dinger et al., in: Contraception, 2007; 75: 344-354
[2] Heit, in: Annals of Internal Medicine, 2005; 143: 749-750
[3] Tanis et al, in: N Engl J Med. 2002; 346:1826-1829
[4] Khader et al., in: Contraception, 2003; 68(1): 11-17
[5] Chan et al. in: Arch Intern Med, 2004 ;164: 741-747


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